Glück zu! Der Müllergruß

Das Mühlensterben

Preis der Produktivität

Der hoffnungsvolle Müllergruß ist verhallt. Die alten, romantischen Steinmühlen an Bächen fristen bestenfalls noch ein Museumsdasein. Der sogenannte Strukturwandel der Wirtschaftswunderjahre forderte seinen Tribut: Kleine und mittlere Betriebe mußten Ende der 50er Jahre der Industrie weichen, weil die Investitionen für neue, bessere, produktivere Maschinen zu hoch waren. Damit begann auch das Mühlensterben.

Unwissen mit Folgen

Damit Mehl über einen längeren Zeitraum haltbar ist, muß die ölhaltige Schale vom Mehlkörper getrennt werden. So entsteht das Weißmehl. Lange wußte man nicht, daß das isolierte Weißmehl kaum bis gar keine Vitalstoffe wie Mineralien und Vitamine enthält, und freute sich über die feinen Mehlsorten, die überaus lange Haltbarkeit des Mehls und die ausgefeilte Müllerskunst. Über die gesundheitlichen Wirkungen machte man sich lange keine Gedanken, weil kein Zusammenhang zu bestimmten Krankheiten gesehen wurde.

Die Pioniere

Erst Prof. Dr. Kollath und Dr. Schnitzer brachten durch die wissenschaftlichen Untersuchungen von Prof.. Proell das volle Korn wieder in den Mittelpunkt gesunder Ernährung. Aus der Erkenntnis, daß nur frisch gemahlenes Getreide alle Wertstoffe enthält, die der Organismus zur Gesunderhaltung braucht, entwickelte der Zahnarzt Dr. J. G. Schnitzer in den 60er Jahren die erste Haushaltsgetreidemühle.

Lob und Tadel

Unbestritten bleibt die Müllerskunst mit den Errungenschaften der neuen Mahltechnologien, die feinste Mehlsorten, Kleie und Gries kreieren. Unbestritten auch, daß neue Mahltechniken das Getreide schonender in seine Bestandteile zerlegen können. Jedoch steht die Bewertung isolierter Getreidebestandteile diametral zu den Erkenntnissen der Vollwertkost, die proklamiert, daß Lebensmittel nur in Ihrer Ganzheit konsumiert auch einen unverzichtbaren Beitrag zur gesunden, vollwertigen Ernährung leisten.