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Rapunzel® auf der Schatzinsel der Biopiraten?

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Unter dem Markennamen „Rapadura“® vermarktet die Naturkost-Firma Rapunzel® seit Jahren einen Vollrohrzucker. So weit nichts besonderes, mag mensch denken. Allerdings nur, wenn man weder brasilianisch kann noch die Geschichte um Cupuacuex® kennt.

Rapadura ist in Brasilien die gängige Bezeichnung für Rohrzucker, der nicht kristallisiert, sondern eingedampft und gemahlen wird. Diesen Begriff hat Rapunzel in Deutschland 1989 und auch in den USA als Markennamen eintragen lassen – mit dem Ergebnis, dass nur sie ihn in diesen Ländern in bestimmten Warenklassen verwenden darf.

Darauf wurde jetzt das brasilianische Justizministerium aktiv und bemühte Diplomaten in Berlin und Washington, um gegen diese Markeneintragung beim Deutschen Patent- und Markenamt DPMA in Berlin sowie beim US-Patent and Trademark-Office USPTO vorzugehen.

Die Antwort von Rapunzel an brasilianische Stellen, von der allgemeinen Verwendung des Begriffes „Rapadura“® nicht gewusst zu haben, klingt nicht besonders glaubwürdig. Eine kurze Recherche ergibt: schon im Jahr 2000 war dem brasilianischen Ingenieur Ricardo Paoletti in den USA die markenrechtlich geschützte Verwendung des brasilianischen Begriffes „Rapadura“® durch die Rapunzel-Tochterfirma „Rapunzel pure organics“ in den USA aufgefallen. Er hatte damals einen eMail-Protest an Rapunzel organisiert, der über 100 UnterstützerInnen aus Brasilien fand und Rapunzel aufforderte, den Namen freizugeben oder Lizenzgebühren an alle SprecherInnen der portugisischen Sprache zu zahlen, die dieses schöne Wort „Rapadura“ in ihrem Wortschatz haben. Damals versuchte sich Eckard Kiesel von Rapunzel damit herauszureden, dass Brasilien mit dem Import des Zuckers geholfen werden sollte.
Rapunzel bezieht seinen Zucker von der Plantage „Planeta Verde“, in Lucélia, 600 km von São Paulo. Dies ist allerdings nicht – wie im „Alternativen Handel“ oft üblich – eine Kleinbauern-Kooperative, sondern vielmehr eine 435 ha große Farm des gebürtigen Schweizers Emile Lutz, der jährlich 1200 t Zucker produziert.

Der brasilianische Anwalt im nordöstlichen Bundesstaat Ceará um Fortaleza, Ricardo Bacelar schreibt dazu, Brasilien sei gut ausgestattet, die Löschung der Eintragung ins Markenregister zu fordern. Die Eintragung der Marke sei unhaltbar und ein Kennzeichen unfairen Wettbewerbs. Es sei wohl bekannt, dass dieser Begriff in Brasilien ganz alltäglich sei. Die Eintragung des Wortes sei eine Verletzung brasilianischer Souveränität und eine Aggression gegen das arme Brasilien.

Nach „O Cupuaçu é nosso!“ heißt es jetzt in Brasilien also „A rapadura é nossa!“ Und im Focus der Aufmerksamkeit steht nicht ein hierzulande unbekannter japanischer Lebensmittelkonzern namens „Asahi“, sondern die Naturkostfirma „Rapunzel“. Wir werden sehen, wie lange noch diese Firma auf der exklusiven Nutzung des brasilianischen Wortes „Rapadura“® für ihren Großplantagenzucker aus Brasilien bestehen können wird. Mittlerweile ist auch die deutsche Tagespresse schon auf diesen Fall aufmerksam geworden.

Quelle
http://www.biopiraterie.de/fileadmin/pdf/kaperbriefe/Kaperbrief_7_end.pdf
auf Seite 3
Kaperbrief

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